Weiterentwicklungen von MITsprache bewähren sich in Zeiten von Corona - Fördertätigkeit

„An klassische Förderung ist derzeit nicht zu denken“

Nicht nur, dass unsere Förderkräfte, die LehrerInnen und ErzieherInnen an Kitas und Schulen die Kinder nicht mehr mit MITsprache fördern konnten; zusätzlich reduzierten sich auch die Kontaktmöglichkeiten zu unseren MITsprache-Familien, die bislang zum größten Teil direkt an den Bildungseinrichtungen stattfanden. Erschwerend kam die allgemeine Unsicherheit durch die gesundheitlichen Gefahren durch Corona hinzu, sowie in Teilen auch bestehende, sprachliche Hürden zwischen den Familien und Bildungseinrichtungen.

Bemerken wir bereits eine Reduzierung der Sprachniveaus der MITsprache-Kinder nach den sechswöchigen Sommerferien, so wurde nun schnell klar, dass für die Kinder durch die Corona-bedingte, erzwungene Isolierung in ihren Familien eine noch deutlichere Reduzierung der Sprachniveaus zu erwarten ist.

Aus diesem Grunde war ebenfalls klar, dass wir die Kinder zu Hause so gut wie möglich mit sprachförderlichen Elementen versorgen mussten, um den Bezug zur deutschen Sprache aufrecht zu erhalten.


Sprachförderung zu Hause

Ab diesem Zeitpunkt gaben wir mehrfach sprachförderliche Empfehlungen in die Familien. Ob Hörspiele, digitale Bilderbücher, eigene Sprachförderspiele, TV-Sendungen, Streams oder Apps - wir evaluierten und sortierten die digitalen Möglichkeiten nach sprachförderlichem Nutzen und verteilten sie gemeinsam mit MITsprache-Förderkräften und eigenen Elternarbeitern vor Ort auf allen Kanälen: Per Mail, Whatsapp, Skype, Telefon oder über die Homepages der Bildungseinrichtungen. (mehr Informationen zu den Materialien)

An dieser Stelle möchte wir uns im Namen des gesamten Teams der Stiftung Fairchance bei den Förderkräften und anderen Beteiligten bedanken, ohne die es uns nicht möglich gewesen wäre, all unsere Familien so schnell und adäquat zu erreichen.


Prüfung des Interesses und Voraussetzungen

Das Interesse an den Empfehlungen war enorm hoch. Sie wurden am Ende weitaus häufiger nachgefragt, als wir überhaupt MITsprache-Kinder fördern - sicher auch deswegen, weil wir die Empfehlungen öffentlich zu jedermanns Nutzung zur Verfügung stellten. Bei dieser Gelegenheit prüften wir gleichzeitig die familiären und technischen Voraussetzungen für unsere Empfehlungen. Viele daraus gewonnene Erkenntnisse haben wir mit Behörden und Verantwortlichen in anonymisierter Form geteilt. Dadurch sollten sich Empfehlungen für die Organisation von Maßnahmen ihrerseits ableiten lassen.


Ein großes Aber aber bleibt

Sprachförderung kann nicht allein zu Hause stattfinden. Sie ist dort ein Tropfen auf den heißen Stein der Sprachniveaus der Kinder. Die persönliche Förderung durch ausgebildete Förderkräfte kann dabei weder ansatzweise erreicht oder gar ersetzt werden, aber die Maßnahmen können zukünftig zusätzlich punktuell unterstützen.


Zukünftige Effizienzsteigerung der Fördertätigkeit

Die Stiftung Fairchance hat in den letzten Monaten zusätzliche Zeit und Mittel dafür nutzen können, geplante Optimierungsmöglichkeiten an der MITsprache-Programmdurchführung vorzuziehen. So konnten wir gemeinsam mit unseren Förderpartnern Eleven und Aqtivator notwendige Ressourcen bündeln und an vielen Stellen bereits effektiv Fortschritte erzielen.


Verkürzung des Zeitaufwandes für Sprachstandserhebungen führt zu mehr Förderung

Der zeitliche Aufwand für MITsprache-Sprachstandserhebungen, deren Ergebnis die Grundlage für den Förderbeginn auf Basis der aktuellen Sprachniveaus ist, konnte durch neue digitale Hilfsmittel deutlich verkürzt werden. In einem ersten Schritt gehen wir von einer Verkürzung der Auswertungsdauer der Erhebungen von mindestens 50 Prozent aus.

Diese signifikante Verbesserung bedeutet, dass die Förderungen an den Bildungseinrichtungen durch die beschleunigten Erhebungen früher beginnen können und somit die Kinder deutlich mehr Förderstunden erhalten. Die neuen Verfahren werden in Teilen bereits zu Beginn des neuen Schuljahres 2020/21 eingesetzt.


Intensivierung von Kooperationen mit behördlichen Stellen

Zum Schuljahresende 2019/20 haben wir verstärkt mit behördlichen Einrichtungen zusammengearbeitet. Unter anderem auch im Bereich der Sprachstandserhebungen erarbeiteten wir gemeinsam neue Lösungen, deren Einsatz an verschiedenen Stellen bereits getestet wird. Unser Kooperationspartner Sprachförderzentrum Berlin-Mitte hat an einigen Einrichtungen bereits erste Versuche unternommen, Sprachstandserhebungen mit neuen Lösungen über Videokonferenzen durchzuführen.


Planung und Unterstützung bei der Wiederaufnahme der Förderungen

Gelernt haben wir aus den Rückmeldungen der Familien, dass wir noch mehr sprachförderliche Angebote schaffen müssen, um die Kinder in ihren jeweiligen Familien zu unterstützen. Daran werden wir arbeiten, denn egal ob es zukünftig weitere Einschränkungen des Regel-Kita- und Schulbetriebes geben wird: sprachförderliche, auch digitale Angebote, unterstützen die Kinder direkt und diese Unterstützung wird von den Eltern zum größten Teil auch sehr positiv und dankend angenommen.

Mit dem Wissen um die sinkenden Sprachniveaus haben wir mit den ausgebildeten Förderkräften an allen Standorten Kontakt aufgenommen und sie über unsere Erwartung hinsichtlich der Sprachniveaus informiert und dabei gleichzeitig nach Lösungen gesucht, den Förderbetrieb sobald als möglich wieder aufzunehmen. Wir stehen mit allen Verantwortlichen im Austausch, Mitte Juli 2020 jedoch herrscht aufgrund der unsicheren Corona-Lage allerorts keine Klarheit über die Organisation des Kita- und Schulbetriebes nach den Ferien.

Eine gute Nachricht für unsere MITsprache-Kinder: Alle Einrichtungen planen die MITsprache-Förderung im nächsten Schuljahr fortzusetzen - oder neu zu beginnen.

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