Weiterentwicklungen von MITsprache bewähren sich in Zeiten von Corona - Elternarbeit

Sozialpädagogische, sprachförderliche Elternarbeit

Mit den Einrichtungsschließungen waren viele bestehende sozialpädagogische und sprachförderliche Maßnahmen nicht mehr durchzuführen, da wir diese bislang zu großen Teilen direkt an den Einrichtungen organisiert haben.

Unsere ElternarbeiterInnen mussten jedoch auf den Corona-bedingten, erhöhten Unterstützungsbedarf der Eltern- und Familien schnell reagieren.

Aus diesem Grund haben wir bereits am ersten Tag der Schließungen damit begonnen, die Familien auf verschiedenen Wegen zu kontaktieren, telefonisch, per Mail oder auch Whatsapp. Dabei haben wir nicht nur die sprachförderlichen Empfehlungen überreicht, sondern auch weitergehende Unterstützung angeboten, in Teilen auch in Absprache mit den Förderkräften.

Da in einer Vielzahl der Familien große Unsicherheiten bezüglich der Coronasituation herrschten, halfen wir ihnen dabei, sich mithilfe automatischer, digitaler Übersetzungsfunktionen täglich informiert zu halten - ganz gleich ob es sich um Nachrichten-Webseiten- oder Lagevideos des Bundes (BZgA, Robert Koch Institut) handelte. LehrerInnen und ErzieherInnen verteilten gemeinsam mit uns die (in einfacher Sprache) erstellten Anleitungen und Informationen - am letzten Tag vor den Einrichtungsschließungen.

Einzelgespräche mit den Eltern zum Home-Schooling

Einzelne Problemstellungen ergaben sich erst in den Gesprächen, beispielsweise, dass mangels Drucker die Arbeitsblätter der Schulen nicht ausgedruckt werden konnten oder dass nur ein Gerät mit Internetzugang in den Familien existierte, so dass bei mehreren Geschwistern für einige unserer MITsprache-Kinder das Gerät nicht in ausreichendem Maße verfügbar war.

In Teilen erfüllten sich einige Hypothesen jedoch nicht: So mussten wir glücklicherweise feststellen, dass ein Internet-Anschluß immerhin bei insgesamt 93 Prozent der Familien vorhanden war und auch der Typ der Zugangsgeräte sich statistisch im gleichen Verhältnis verteilt wie im bundesweiten Durchschnitt, obwohl ein großer Teil der Familien in einem sozioökonomisch schwachen Umfeld angesiedelt ist. Das waren gute Nachrichten, konnten wir doch so einige unserer digitalen Empfehlungen zur sprachförderlichen Nutzung mit bestimmten Apps wie etwa Anton oder Schlaukopf direkt geben.

Die Elternarbeit wurde so auch zum Kanal der Verteilung sprachförderlicher Maßnahmen für zu Hause, eine in diesem Zusammenhang neue Aufgabe, die sich als sehr sinnvoll herausstellte. Auch insgesamt hat sich die Bindung zwischen den Familien und unseren ElternarbeiterInnen vor Ort stark erhöht. Über 70 Prozent der befragten Eltern wünschten sich dabei weitere Tipps und Lernhilfen. In Hamburg beispielsweise schätzten dabei 61 Prozent der Familien die Unterstützung der Lehrkräfte beim Homeschooling als “Gut” ein, 37 Prozent noch als “Mittel” und nur 2 Prozent als “Schlecht”. Zum Zeitpunkt der ersten Telefonate, vier Wochen nach Start der Schulschließungen, war auch die Lernmotivation der Kinder mit 39 Prozent als “Gut” und 54 Prozent als “Mittel” insgesamt noch als gut zu betrachten. Aktuell befragten wir in Hamburg die Eltern auch nach ihrem Interesse am Angebot der Lernferien (95 Prozent), der tatsächlich geplanten Nutzung (11 Prozent) und ihren Urlaubs- bzw. Reiseplanungen (nur ca. 11 Prozent haben hier Reisen geplant).

Fazit: Strukturierte Analysen führen zu gezielten Empfehlungen

Aus den Erfahrungen der letzten Monate können wir mitnehmen, dass der persönliche Kontakt - und sei er auch telefonisch - enorm wichtig für die Familien war. Vereinzelt durchgeführte Unterstützung via Whatsapp-Videotelefonie erzielte ebenfalls große Anerkennung. Die strukturiert geführten Telefonate und Erkenntnisse vermittelten uns ein umfassendes Bild über die Situation in den Familien und ermöglichten uns, möglichst individualisierte Empfehlungen zu geben. Förderkräfte und Schulleitungen, insbesondere aber auch die Eltern wussten unsere Arbeit dahingehend zu schätzen.

Einige Eindrücke aus unseren Elterntelefonaten

Bildungsbemühte Eltern sind zufrieden mit der Lernsituation, freuen sich aber auf kontrollierte Schulöffnung.

verstehen in der whatsapp-Gruppe der Lehrerin nichts aufgrund fehlender Sprachkenntnisse, wünscht sich Unterstützung mit Türkisch und Kontakt zur Lehrkraft, Kind kann Aufgaben zu Hause nicht lösen, haben keinen Kontakt zu anderen Eltern der Klasse.

Mutter ist sehr zufrieden mit den Apps, sind sehr hilfreich und unterstützen beim Motivieren zum Lernen.

kommt mit Lernstoff gut zurecht, nutzt zusätzliche Lernmöglichkeiten.

sehr bemühte bildungsbewusste Eltern, fehlende Sprachkenntnisse hindern Unterstützung der Kinder, freuen sich über Tipps.

Motivation sinkt, freuen sich auf Schulöffnung und haben gleichzeitig Angst vor Öffnung, Frage nach Sommerferien-Kürzung/Streichung.

Kind ist sehr unkonzentriert, spielt oft am Handy, Frage und Sorge bzgl. Schulöffnung.

Home-Schooling klappt gut, Lernstoff ist ausreichend, zusätzliche Lernapps werden als hilfreich empfunden.

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